Heilpflanzenschule

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Interview: Kräuterfrau / Apothekerin des Hansevolks zu Lübeck

Bild Rosie
Ich bin Christine Durga, Kräuter Rosie oder Justina van Attendorn.
Als gelernter Baustoff-Kaufmann habe ich Baustoffe eingekauft, Rechnungen
geschrieben, Ablesungen für Wärme- und Wasserverbrauchserfassungsgeräte
organisiert, als Serviceleiterin Verantwortung für Niederlassungsorganisation
übernommen, im Schulsekretariat gearbeitet und Kunden rund um PC-
Teststellungen betreut. Im Laufe der Jahre wechselte nicht nur körperlich einiges,
auch die Lebensziele. So stellte ich nach einigen Jahren mit 10-12 Stunden-Tag
Arbeit, vernachlässigen der Familie und der eigenen Bedürfnisse und
nachlassender Energie immer öfter die Frage: halten sich Aufwand und Nutzen
die Waage?
Nöh! War meine Antwort nach einigem Überlegen. Und so sagte ich dem Büro
ade, lernte Yoga zu lehren, ayurvedisch zu massieren und zu kochen. Bei diesen
Ausbildungen lernte ich indische Kräuter und Gewürze des Ayurveda kennen und
anzuwenden und auch ihre Heilwirkungen.
Aber ich lebe auf der nördlichen Halbkugel und wir haben hier ebenfalls Kräuter
und Gewürze, die uns alle notwendigen Stoffe liefern und seit Jahrhunderten
ebenfalls zur Bewahrung der Gesundheit und Heilung eingesetzt werden. Und so
bin ich bei Hildegard von Bingen, Klostermedizin und seit März 2014 beim
Lübecker Hansevolk gelandet. In dieser Spätmittelalter-Gruppe habe ich jetzt
meinen Platz als Kräuterfrau und Apothekerin im mittelalterlichen Lübeck der Zeit
um 1474 gefunden.

Was fängst Du mit Deinem Heilpflanzenwissen an?

Begonnen hatte ich die Ausbildung mit der Idee Tees, Öle, Naturkosmetik professionell zu vermarkten in einem kleinen Laden in Lübeck. Das ist jedoch nicht umsetzbar.

Inzwischen nutze ich das Wissen vorwiegend im familiären Bereich und für die Rolle als Kräuterfrau des Mittelalters und um zu probieren und zum Nachmachen anzuregen, mit einfachen Zutaten, die eben schon im Mittelalter zur Verfügung standen, Gesundheit wieder herzustellen bzw. zu bewahren.

Kannst Du davon leben? Oder machst du noch was nebenbei?

Zu meinem Lebensunterhalt trägt das Wissen um die Kräuter noch nicht bei, aber was nicht st kann ja noch werden. Auf jeden Fall bereichert es mein Leben ungemein und ist eine wichtige Grundlage für mein Hobby, zu dem neben der Kräuterfrau auch Stadtführungen durch Lübeck gehören.

Hast Du die ganze Ausbildung mit Prüfung gemacht? Oder nur einige Module?

2014 habe ich von der Ausbildung zum Heilpflanzenexperten erfahren und mich sofort zum Einführungskurs angemeldet. 2015 habe ich dann alle angebotenen Module absolviert und im November 2015 die schriftliche und praktische Prüfung abgelegt. Meine Hausarbeit reichte ich im Januar 2016 ein und präsentierte sie dann im Rahmen des Moduls „Nieren, Harnwege, Prostata“ im März 2016. Einzig, das Modul „Räuchern“ passte in diesen Jahren nicht in meinen Zeitplan, so dass ich erst im Februar 2017 das letzte Modul absolvieren konnte und mein Zertifikat erhielt.

Aber ich bin zu allen Modulen mit viel Vorfreude und Neugier in den Kräuterpark nach Stolpe gefahren. Und in den Jahren haben die Mitarbeiter besonders die Heilpflanzenbeete liebevoll gepflegt und die üppige Kräuterpracht des letzten Sommers in Stolpe habe ich bleibend vor Augen.

Bild Produkte Hansevolk

Warum gerade Heilpflanzen? Was reizt dich an dem Thema?

Weil wir in der Natur leben und u.a. die Pflanzenwelt unsere Gesundheit erhält, wenn wir sie richtig und klug einsetzen. Pflanzen sollten der Hauptbestandteil unserer Nahrung sein.

Und dann ist da noch der Rebell in mir, der soweit es möglich ist die global agierenden Konzerne meidet egal ob Strom, Kosmetik, Medikamente o.ä..

Gesundheit erflehen sich die Menschen von den Göttern, dass es aber in ihren eigenen Händen liegt, diese zu bewahren, daran denken sie nicht!

Hast du eine Pflanze, die du besonders oft einsetzt? Welche?

Zur Zeit liebe ich Holunderblüten und Mädesüss. Ihre zarten, wunderbar lieblich duftenden Blüten. Ich mag sie als Tee, besonders in der Erkältungszeit als geschmacklichen Ausgleich zur Weidenrinde.

Und dann ist der Hollerbusch ja ein Symbolträger. Die mystische Welt der Edda, nordischen Sagen und Kräutermärchen und überlieferten Wirkungen faszinieren mich. Meine nächsten Studien werden die Rauhnächte und Jahreskreisfeste sein.

Was würdest du Leuten empfehlen, die ähnliche Pläne haben?

Nimm das Angebot der Heilpflanzenausbildung wahr und lerne die Kraft der Natur kennen und für deine Gesundheit zu nutzen. Der monetäre Nutzen wird sich später zeigen.

Als Kräuterfrau werde ich oft gefragt, ob ich im echten Leben auch Apothekerin bin und dann erzähle ich von meiner Ausbildung und lege die Ausbildung zur Heilpflanzenexpertin an der Heilpflanzenschule Schleswig-Holstein nahe.

Was bietest du konkret gerade an?

Mit dem Hansevolk zu Lübeck www.hansevolk.dezeige ich im Rahmen von Veranstaltungen wie Museumstag und Museumsnacht, Hansetage, Hansekulturfestival interessiertem Publikum gern welche Heilkräuter schon im Mittelalter bekannt waren und wie verwendet wurden.

Ich zeige medizinierte Öle, Tinkturen, Kaltauszüge, Salben mit Bienenwachs und auch Lanolin, die ich selbst hergestellt habe und versuche zum Ausprobieren zu ermuntern.

Zum Museumstag in Lübeck am 13. Mai 2018, zum HanseKulturFestival 9. und 10. Juni 2018 vor dem Brömse-Palais in Lübeck und den internationalen Hansetagen in Rostock vom 21. – 24. Juni 2018 habe ich dann noch mit Marzipan-, Pillen- und Hydrolate-Herstellung Interesse geweckt.

Seit Juli bin ich im Geschichtserlebnisraum Roter Hahnwww.geschichtserlebnisraum.deim Projekt „Rümdriewer“ des Lübecker Jugendringswww.luebeckerjugendring.de/ruemdriewer aktiv. Wir zeigen interessierten Kindern im Alter zwischen 9 und 14 Jahren wie die Menschen im Mittelalter gelebt haben und bauen z. B. Laternen, stellen Frischkäse selbst her, braten dazu Pfannenbrot, nähen Gugel und Tasche selbst, schnitzen Teller aus Holz und vielleicht schmieden wir auch unser eigenes Messer. Hier soll den Kindern auch gesunde Ernährung näher gebracht werden. Dazu werden wir im Frühjahr auf dem Gelände Kräuter anbauen, später ernten und uns dann eine leckere Mahlzeit zubereiten ähnlich wie in unserem Kurs „Kochen mit Kräutern“, nur dass wir das über offenem Feuer zubereiten.

Vielleicht ergibt sich ja im Geschichtserlebnisraum die Möglichkeit Workshops anzubieten und damit ein wenig Geld einzunehmen, das wird sich irgendwann zeigen.

Gut Ding will Weile haben 😉

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Interview mit Amely Gräfin Platen

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Ich bin Amely, 45 Jahre alt und Selbstständig als Wellnesspractitioner, Märchenerzählerin und Heilpflanzenexpertin im “White stag cottage” in Wangels.
Das Wichtigste zuerst: Was fängst du mit deinem Heilpflanzenwissen an?

Ich biete seit ca. 12 Jahren regelmäßig Kräuterführungen an. Verschiedene Gemeinden, Vereine oder auch Privatpersonen können mich buchen. Ich liebe es mein Wissen auf die Nachfragenden zurechtzuschneiden, so dass ich sie dort abholen kann, wo sie gerade sind. Entweder es gibt die ersten Basics oder fortgeschrittenes Wissen, und am liebsten stelle ich Verbindungen zu ganz anderen Fachbereichen her. Das macht das Lernen und Lehren erst richtig interessant. Ich biete besonders gerne Einblicke in alte Bräuche und zeige ihre Ursprünge in der Kräuterheilkunde. Auch an den Märchen komme ich nicht vorbei, verraten auch sie nicht selten etwas über den Zauber und die Magie der Heilpflanzen. Etwas ganz Neues ist mein Projekt “Märblume -Blumenmeer”: hier verbinde ich die Kunst, Blumen in eine schöne Form zu bringen mit ihrer ihnen innewohnenden Sprache und Symbolik. Einfacher gesagt, ich mache auf Anfrage Blumenschmuck für Feste und gehe dabei auf die Geschichte der Jubilare ein. Das kann man dann in den Sträußen erkennen…schwer das zu erklären…doch bald kommen die ersten Stories in Bildern raus.

Kannst du davon leben? Oder machst du noch was nebenbei?

Ich bin seit 13 Jahren selbstständig, und fast von Anbeginn habe ich auch mein Kräuterwissen integriert. Es ist inzwischen eine wichtige Säule meiner Existenz, die sowohl für sich alleine steht als auch Verbindungen mit meinen weiteren Säulen Erzählen und Wellness eingeht.

Hast du die ganze Ausbildung mit Prüfung gemacht? Oder nur einige Module?

Ich hab meine Ausbildung zur Heilpflanzenexpertin an der Heilpflanzenschule Verden abgeschlossen und noch durch viele weitere Seminare bei Wolf Dieter Storl, Christian Rätsch, Kudra, Glenny Kindred, Chalicewell Essences Practitioner uvm. verfeinert und bilde mich auch in Zukunft regelmäßig weiter.

Warum gerade Heilpflanzen, was reizt dch an dem Thema?

Das Interesse an Heilpflanzen verdanke ich der Prägung meines Vaters und unseres hofeigenen Schäfers. Die beiden haben mir schon sehr früh die Augen geöffnet für die Welt der Pflanzen. Der Same wurde in der Kindheit gelegt und spross dann bald auf. Manchmal wuchs das Pflänzchen unbeachtet, als ich beispielsweise durch die Pubertät musste, aber immer wieder zog das Pflanzenwissen mich in seinen Bann. Bis auf weiten verschlungenen Wegen tatsächlich eine berufliche Tätigkeit daraus wurde. Ich finde die Welt der Heilpflanzen so anziehend, weil sie nicht enden wollende Horizonte eröffnet. Es gibt immer etwas Neues zu lernen, und man lernt im. Umgang mit Heilpflanzen auch sehr viel über sich selbst und das Leben im Allgemeinen. Es ist ein echtes Abenteuer, das ich mit aufrichtiger Begeisterung mit anderen teilen kann.

Hast du eine Heilpflanze, die du besonders oft einsetzt? Welche?

Frauenmantel steht immer in meinem Kräuteregal, weil er äußerst vielfältig einsetzbar ist. Wenn man keine anderen Kräuter zur Hand hat, ist Frauenmantel immer ein guter Helfer. Aber auch Beifuß und Rosenblütenblätter stehen immer bereit und kommen oft zum Einsatz. Im Grunde genommen habe ich mir über die Jahre so einiges angewöhnt zur Profilaxe oder akuten Linderung aber auch für das einfache Wohlgefühl. Es schwankt immer hin und her. Mal ist es ein Schafgarbenwickel oder ein Lindenblütentee oder eine schnell gezauberte Spitzwegerichsalbe. Die Kräuterspaziergang sind ein täglicher Begleiter für mich, und je länger ich nachdenke, um so größer wird die Lieblingsauswahl.

Was würdest du Leuten empfehlen, die ähnliche Pläne haben?

Lasst Euch nicht entmutigen. Fangt klein an und wachst langsam. Bildet gute Wurzeln und achtet den Raum Eurer Mitbewerber. Öffnet Euch für Synergien mit anderen Wissensfeldern oder anderen Spezialisten. Habt immer die Begeisterung mit im Boot, denn die verschafft Euch nachhaltiges Gehör und eine treue Zuhörerschaft. Und tauscht Euch mit anderen aus. So könnt Ihr wachsen und Euer ganzes Potential entfalten und vor allem mit anderen teilen.

Jetzt darfst du Werbung machen: was bietest du konkret gerade an?

Eine gute Frage! Ich bin gerade dabei, eine Crowdfunding-Idee vorzubereiten. Kräuter spielen dabei eine wesentliche Rolle. Ich möchte eine besonders kreative Form der Wissensvermittlung möglich machen. Dafür brauche ich viele Menschen, Dir mir helfen, die Mittel dafür zusammenzutragen. Ich finde die Idee, dieses zauberhafte Projekt gemeinsam ins Leben zu bringen, sehr reizvoll. Mehr kann ich an dieser Stelle noch nicht verraten, aber macht Euch bereit. Ihr erfahrt bald mehr auf meiner Homepage oder in den sozialen Medien, oder Ihr sendet mir Euren Kontakt, wenn Ihr informiert werden wollt. www.amalind.de
Wer mich noch mal life und in Farbe auf einer Kräuterführung treffen will, schaue auf meine Frage Homepage unter Events nach.
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Destillation

Heute möchte ich euch gerne an einer meiner Wasserdampfestillationen teilhaben lassen. Ich destilliere schon recht lange immer mal wieder in Kursen und zuhause und habe bis 2016 dafür ausschließlich eine kleine Kupferdestille (0,5 l) verwendet. da ich aber für meine Kurse doch größere Mengen an Hydrolat (Pflanzenwasser) und ätherischem Öl nutze, habe ich mir Ende 2016 eine 25 l Destille angeschafft (ebenfalls aus Kupfer).

Das klingt erstmal einfach – war es aber nicht- da man in Deutschland für große Destillen (aktueller Stand über 2 l, damals noch über 0,5 l) eine Genehmigung vom Zollamt benötigt. Das schwierigste war eigentlich zunächst meinen Ansprechpartner im Zollamt ausfindig zu machen, der war dann aber sehr nett und der Antrag wurde auch zügig bearbeitet.

Ich musste nachweisen, dass ich die Destillation gewerblich nutzen möchte (als Heilpraktikerin mit eigener Heilpflanzenschule war das kein Problem) und versichern, dass ich keinen Alkohol brennen werde (meine Destille ist ohnehin ein Modell, dass dafür nur bedingt geeignet ist, weil sie auf ätherische Öle ausgerichtet ist) und ich muss ein Brennbuch führen.

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Nun aber zum eigentlichen Destilliervorgang:

Für eine 25 l Destille braucht man schon viel Pflanzenmaterial, ich nutze Pflanzen aus meinem Garten und aus Wildsammlung, die Pflanzen sollten frei von Pestiziden, Krankheiten und Schädlingen sein und sich in gutem Reifezustand befinden (also ähnlich, wie bei der Sammlung für Tee), allerdings dürfen sie ruhig nass sein, weil sie ja nicht getrocknet werden sollen.

Abwaschen des Pflanzenmaterials ist nicht nötig, da Schmutz einfach im Restmaterial verbleibt und nicht in das Hydrolat übergeht.

Ich befühle meine Destille nicht immer mit vollen 25 l, sondern oft auch nur mit ca. 15 l, weil mir der Vorgang dann oft zu lange dauert und ich mit ca. 4 l Hydrat meistens gut versorgt bin.

Die Destille wird zunächst mit Wasser gefüllt (das darf gern schon heißes Wasser sein, dann geht es schneller – aber Vorsicht die Kupferdestille wird schnell aufgewärmt) und dann wird das Pflanzenmaterial in das dafür vorgesehene Körbchen gefüllt. Meine Destille hat extra zwei Fächer für Pflanzenmaterial, weil sie (im Gegensatz zu den Destillen die eher für das Brennen von Alkohol vorgesehen sind) dafür gedacht ist möglichst viele Inhaltsstoffe pro l Hydrolat zu produzieren.

Die Destille wird dann geschlossen und das Kühlwasser wird eingefüllt – wer oft destilliert wird vielleicht einen Wasserkreislauf einrichten wollen, ich arbeite noch mit Eimern. wenn man zuhause destilliert empfiehlt es sich Eiswürfel oder crushed Eis zu verwenden, das spart Arbeit, da man das Wasser nicht so oft austauschen muss. Eine Flasche wird unter den Auslauf für das Hydrolat gestellt.

 

Nun heißt es erstmal warten…

…irgendwann (das kann je nach Hitzequelle auch schonmal 1-2 Stunden dauern) ist die Destille  heiß und das Wasser beginnt zu kochen (das hört man), kurz darauf tropft das erste Hydrolat aus dem Auslauf.

Nun geht es vor allem darum, regelmäßig das Wasser zu wechseln und darauf zu achten, dass die falsche richtig steht und diese auszutauschen, wenn sie voll ist.

Das fertige Hydrolat fülle ich dann in Glasflaschen und ( je. nachdem wann und wofür ich es brauche) mische es manchmal mit etwas Alkohol, um die Haltbarkeit zu verlängern. Ich verwende meine Hydrolate großteilig für Kosmetik, und da konserviere ich ohnehin, deshalb stört mich der Alkohol nicht (bei Lebensmitteln sieht das natürlich anders aus).

Nachdem der Destilliervorgang abgeschlossen ist, muss die Destille auskühlen und dann wird sie gereinigt.

Selbst mit einer 25 l Destille ist es nicht leicht genug ätherisches Öl zu produzieren, um es in Flaschen abzufüllen (das geht bei intensiven Aromatisch wie Minze, Lavendel etc.), deshalb verwende ich vor allem die Hydrolate. Wer sich für die Verwendung von Hydraten interessiert, dem kann ich das Buch von Susanne Fischer Rizzi empfehlen (siehe auch Buchempfehlungen 2017 hier im Blog).

Im Oktober startet auch bei uns in der Heilpflanzenschule der Kurs “Ätherische Öle und Hydrolate” über drei Wochenenden (Oktober, November und Januar), auch hier werden wir destillieren und einiges über die Verwendung der Hydrolate lernen – es sind noch Plätze frei.

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Sanddorn – die Zitrone des Nordens

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Im Moment sieht man bei uns im Norden überall die leuchtend orangenen Beeren vom Sanddorn wachsen. Die Ernte ist (zumindest bei uns im Garten) sehr gut dieses Jahr und da wollte ich euch mal ein paar Infos über den Sanddorn und seine Verarbeitung geben.

Der Sanddorn (Hippophae rhamnoides) gehört zu den Ölweidengewächsen und ist eine der wenigen Pflanzen bei denen nicht nur im Kern, sondern auch im Fruchtfleisch viel fettes Öl zu finden ist. Das bekannteste Produkt ist daher auch das Sanddornfruchtfleischöl, dass viel in der Kosmetik eingesetzt wird – allerdings vorsichtig, denn es färbt die Haut orange. Sanddornfruchtfleischöl ist sehr hautpflegend und entzündungshemmend, es wird gern bei juckender Haut eingesetzt und zur Wundheilung. Man kann es allerdings nur sehr schwer selbst herstellen.

Was man deutlich besser selber machen kann ist Sanddorn Saft, dieser enthält jede Menge Vitamin C (deutlich mehr als z.B. Zitronen) und ist deshalb sehr gut zur Vorbeugung verschiedener Erkrankungen. Bevor man aber den Saft herstellen kann (Rezept weiter unten), muss man ihn zunächst finden und ernten.

Sanddorn ist zweihäusig, d.h. man muss zunächst mal einen weiblichen Sanddorn finden, der nah genug an einem männlichen Sanddorn steht um befruchtet worden zu sein, nur dann trägt sie Früchte. In der Baumschule, in der ich meinen gekauft habe, sagte man mir ein Männchen könne etwa 5 Weibchen versorgen.

Hat man nun einen schön tragenden Baum entdeckt, ist es sehr schwer die Früchte vom Strauch zu bekommen, ohne dass sie platzen. Ich empfehle daher ganze Zweige abzuschneiden und einzufrieren und dann die gefrorenen Beeren vom Strauch zu pulen. Sanddorn muss ohnehin im Herbst meistens stark zurückgeschnitten werden, daher macht dem Strauch das nichts aus.

Um nun Sanddorn Saft herzustellen, koche ich die Beeren in heißem Wasser auf und püriere sie dann – man könnte die Beeren natürlich auch stattdessen länger zerkochen, aber Vitamin C ist hitzeempfindlich und deshalb püriere ich lieber.

Ich streiche dann alles durch ein Sieb, um die Kerne, Stiele und die harte Fruchtschale auszusieben. Den Saft koche ich dann nochmal kurz auf und füge Zucker hinzu. Ich mag es sauer, deshalb nehme ich nur 750 g Zucker auf ca. 3 Liter Saft, dann muss er aber im Kühlschrank aufbewahrt werden, je mehr Zucker desto länger ist der Saft haltbar.

Den Inhalt des Siebes gieße ich nun mit Alkohol auf (ich bevorzuge Rum, Korn oder Wodka gehen aber auch) und lasse ihn einige Wochen stehen. Nach dem abseihen füge ich auch hier Zucker hinzu und außerdem etwas Vanille. So entsteht ein leckerer Sanddornlikör aus den Resten.

Den gewonnenen Sanddornsaft kann man nun (heiß) trinken, ins Müsli oder in Joghurt geben, Marmelade daraus kochen (ich mag die Kombination mit Brombeeren), Kuchen damit backen und vieles mehr.

Lecker und gesund! Viel Spaß beim ausprobieren!

Interview

Moin moin,

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ich bin Stella und leite die Heilpflanzenschule Schleswig-Holstein. Eigentlich wollte ich hier vor allem andere Leute vorstellen, die etwas mit Heilpflanzen machen, aber dank Sommerferien will niemand meine Fragen ausfüllen (sondern alle vertrösten mich auf später) – deshalb jetzt stattdessen ein Interview mit mir selbst, so könnt ihr etwas mehr über mich erfahren.

Ich habe ursprünglich in Hamburg Sozialpädagogik studiert und auch lange in dem Bereich gearbeitet. Für Heilpflanzen interessiere ich mich schon seitdem ich 12 bin, das kam vor allem durch mein Interesse an Fantasy und für Kräuterhexen.

Das Wichtigste zuerst: Was fängst du mit deinem Heilpflanzenwissen an?

Ich habe angefangen mit kleinen Kursen und Kräuterwanderungen und dann ist der Bereich immer mehr gewachsen. Inzwischen leite ich die Heilpflanzenschule Schleswig-Holstein und wir bieten dort eine Ausbildung Heilpflanzenkunde/Phytotherapie und eine in Kräuterpädagogik an und dazu viele Tageskurse, Kräuterwanderungen und auch Vertiefungskurse.

Ich habe auch mal kurzzeitig Kräuterprodukte verkauft, aber dank der Gesetzeslage durfte ich alle Heilpflanzenprodukte nur als Lebensmittel anbieten und das hat sich nicht rentiert (außerdem habe ich schnell gemerkt, dass ich nicht viel Spaß am verkaufen habe – nur am herstellen :-).

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Kannst du davon leben? Oder machst du noch was nebenbei?

Ich bin hauptberuflich selbstständig, allerdings arbeite ich auch nur in Teilzeit, weil ich mich um meinen kleinen Sohn kümmern möchte – wenn ich alleine wäre, dann würde es noch nicht reichen, aber ich bin auf dem Weg dahin. Der Heilpflanzenanteil meiner Selbstständigkeit wächst immer mehr, im Moment gebe ich aber auch noch Supervision und sozialpädagogische Fortbildungen.

Hast du die ganze Ausbildung mit Prüfung gemacht? Oder nur einige Module?

Ich habe mehrere Ausbildungen mit Prüfungen gemacht. Ich bin Phytotherapeutin (Prüfung und Ausbildung bei der Heilpflanzenschule Verden), Aromatherapeutin (ebenda), habe den IHK Schein für freiverkäufliche Arzneimittel und bin Heilpraktikerin für Psychotherapie. Außerdem habe ich mich im spirituellen Bereich im Druidentum fortgebildet.

Ich liebe es einfach immer Neues zu lernen, ich besuche auch regelmäßig Vertiefungskurse in der Heilpflanzenschule Verden und freue mich über jede spannende Fortbildung meiner Dozent*innen, zu der ich dazukommen kann.

Warum gerade Heilpflanzen, was reizt dich an dem Thema?

Ich hatte schon ganz früh eine starke Affinität zur Märchenfigur der Kräuterhexe, der Umgang mit den Heilpflanzen, die Alchemie und Heilung überhaupt haben mich immer schon interessiert. Gleichzeitig bin ich ein sehr rationaler Mensch und möchte immer wissen, warum etwas funktioniert. So bin ich schnell bei der rationalen Phytotherapie gelandet. Ich finde es total spannend, was schon in alter zeit bekannt war und mich interessiert aber auch die aktuelle Forschung. Mit dem energetischen Bereich fange ich gerade erst an, ich wollte erstmal eine rationale Grundlage haben.

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Hast du eine Heilpflanze, die du besonders oft einsetzt? Welche?

Ich liebe Rosmarin – als Shampoo, Küchengewürz und Tee. das liegt vermutlich daran, dass ich früher viel zu niedrigen Blutdruck hatte und Rosmarin mich fitter macht. Ansonsten setze ich im Moment sehr viel Ringelblume ein, einfach weil mein 2 jähriger Sohn ständig irgendwas hat, wo man Ringelblume draufschmieren muss.

Was würdest du Leuten empfehlen, die ähnliche Pläne haben?

Vernetzt euch! Alleine ist es schwer sich eine Marktpräsenz aufzubauen, sucht euch Kooperationspartner – Volkshochschulen, Heilpflanzenschulen, Vereine – Hauptsache ihr könnt euch mit anderen zusammentun und euch gegenseitig unterstützen. Und: fangt klein an, vielleicht erstmal nebenberuflich und dann darf es mehr werden. Glaubt an den Wert eurer Arbeit, ich habe lange gebraucht, bis ich innerlich nicht mehr daran gezweifelt habe, ob es wirklich ok ist, Geld für meine Arbeit zu nehmen – das Problem kennen viele in diesem Bereich.

Jetzt darfst du Werbung machen: was bietest du konkret gerade an?

Ich freue mich total auf den Vertiefungskurs Ätherische Öle und Hydrolate, den ich ab Oktober anbiete, der richtet sich an Leute, die sich schon gut mit der Heilpflanzenkunde auskennen. Gerade mache ich das Jahresprogramm für 2019 und das wird wieder total schön und abwechslungsreich – ich liebe meine Dozent*innen, die haben einfach gute Ideen und viel Fachwissen, da macht die Zusammenarbeit einfach Spaß!

Interview: Wildkräuterkursleiterin

Hallo liebe Heilpflanzenfans!
Janina Korb BIld
Ich bin Janina Timm bin 39 Jahre alt und wohne in Kiel im schönen, grünen Schilksee an der Ostseee.
Hauptberuftlich bin ich Verwaltungsbeamtin, die Natur war schon immer für mich ein wichtiger Ankerpunkt in meiner Freizeit. Groß geworden bin ich in einem kleinen Dörfchen am Plöner See. Als Kind gab es für mich fast nur meine Pferde, Wald und Wiesen und meine Oma, die mich schon von Klein auf mit Sauerampfer und Brennnesseltee versorgt hat und sehr viel Interesse an Heilpflanzen hatte. Diese Leidenschaft und Fazination für die Wirkung und Heilkräfte der Natur hat sie offenbar an mich übertragen.
Das ist auch der Grund, warum ich die Heilpflanzenausbildung an der Heilpflanzenschule Schleswig-Holstein begann, aus reinem Spaß, Intresse und Bewunderung für die Natur. Vor allem haben es mir die Wildkräuter angetan. Sie gehören zu uns Menschen, sie tuen uns gut und sind teil unserer Wurzeln – sie sind Heimat.
Eine liebe Bekannte, die einen Bioleinenladen führt, fragte mich, ob ich bei ihr Kräuterkurse anbieten möchte und so meldete ich einen Nebenerwerb an.
Das Wichtigste zuerst: Was fängst du mit deinem Heilpflanzenwissen an?
Da ich mich ganz besonders für heimische Wildkräuter interessiere, habe ich mich auf diesen Bereich konzentriert und dafür spezialisiert. Als Nebentätigkeit biete ich Vorträge und Führung an. Zumeist werden in meinen Kursen Wildkräuter so verarbeitet, dass wir sie dann gemeinsam genießen können. z.B. als Kräutersalz, Pesto, Salat, Smoothie, Käuterbutter etc.
Im Alltag genossen tragen die Wildkräuter durch ihr Nährstoffdichte zu einer gesunden Ernährung bei.Auch Mangelerscheinungen können durch eine gesteuerte Ernährung mit speziellen Pflanzen gemildert oder behoben werden – sie können also auch der gezielten Nahrungsergänzung dienen.
Bei meinen Käuterführungen erläutere ich zwar die medizinische Wirkung der Pflanzen. Der Genuss von und das Vertrautmachen mit unseren heimischen Kräutern steht aber im Vordergrund.
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Kannst du davon leben? Oder machst du noch was nebenbei?

Nein, von dem Nebenerwerb kann und möchte ich nicht Leben. Kräuter sind und bleiben in erste Linie mein Hobby. Hauptberuflich werde ich weiterhin mit Zahlenwelt zu Hause sein – sprich in der Verwaltung.

Hast du die ganze Ausbildung mit Prüfung gemacht? Oder nur einige Module?

Ich habe die Heilpflanzenausbildung komplett genossen und sei im Jahre 2017 abgeschlossen.

Warum gerade Heilpflanzen, was reizt dich an dem Thema?

Mir ist es wichtig mit der Natur zu leben und dem was uns Menschen mit der Natur geschenkt wurde.
Dieses Geschenk nach und nach zu entdecken reizt mich und verbindet mich mit den Erfahrungen und dem Wissen meiner Vorfahren.

Hast du eine Heilpflanze, die du besonders oft einsetzt? Welche?

Mich beeindruckt besonders die Brennnessel. Sie ist oft so gefürchtet und kann uns Menschen doch soviel Gutes tuen. Außerdem liebe ich Brennnesseltee schon seit meiner Kindheit.
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Was würdest du Leuten empfehlen, die ähnliche Pläne haben?

Einfach Anfangen mehr zu erfahren. Immer darauf achten, dass es nicht zu schnell geht. Pflanzen sollte man riechen, schmecken, fühlen und nicht nur Seiten in einem Buch dazu lesen. Die Leidenschaft, das Glück, der Spaß sollte dabei im Vordergrund stehen und nicht Leistungsdruck oder das Ziel Geld zu verdienen.
Jetzt darfst du Werbung machen: was bietest du konkret gerade an?
Ich biete Wildkräuterkurse an. Teilweise an der VHS Bosau, aber eher für privat organisierte Gruppen.
Meine Homepage lautet: https://krautschau.jimdo.com
Bei meinen Kursen steht der Genuss und die Herstellung des Bezugs zu den Pflanzen durch riechen, schmecken, sehen und fühlen im Vordergrund. Es geht darum, unsere heimischen Kräuter kennen und bestimmen zu lernen und so für die heimische Küche und eigene Hausapotheke zu nutzen und so sein eigenes Leben mit den Geschenken der Natur zu bereichern.
Ich wünsche euch allen eine wunderschöne Zeit bei der Ausbildung zur Heilpfanzenexpertin / zum Heilpflanzenexperten.

Neue Gruppe gestartet

Ich bin ja immer ein bisschen aufgeregt… wie wohl die neuen Teilnehmer*innen so sind?

Auch diesmal waren die 10 Teilnehmer*innen bei unserem Einführungskurs eine tolle Gruppe. Ein bunter Mix aus jeder Altersgruppe, vielen verschiedenen Berufen, mit und ohne Vorkenntnisse im Heilpflanzenbereich.

Wir hatten zwei schöne Kurstage  mit einem leckeren Mitbringbüffet, der Herstellung von Likör, Wildkräuteressig und Pfannkuchenöl, Gruppenarbeiten, kleiner Kräuterexkursion im Garten der Heilpflanzenschule und natürlich auch der nötigen Theorie.

Ich freue mich schon auf die weiteren Module mit euch!